Konrad Klapheck
Venus Ex Machina

Von 6 Juni 2021 durch 26 September 2021

Museum MORE zeigt in diesem Sommer eine große Retrospektive von Konrad Klapheck (*1935 in Düsseldorf) – einem Maler, der zu den wichtigsten und interessantesten deutschen Künstlerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit zählt. Der aber auch internationale Wertschätzung erfuhr und von Kunstsammlern in Belgien, der Schweiz, Frankreich, Italien und den USA gefeiert wurde.

Fertig

Ype Koopmans, künstlerischer Leiter Museum MORE: „Wirklich außergewöhnlich an Klapheck ist, dass sein Œuvre die Kunstgeschichte eines ganzen Jahrhunderts widerspiegelt. Sein Werk ist voller Bezüge zu Vorgängern. Es ist zeitlos und dabei verblüffend aktuell, immer wieder aufs Neue. Befreundet mit Joseph Beuys und Gerhard Richter, war Klapheck einer der drei Väter der rheinländischen Kunstszene. Vor allem ist er jedoch künstlerisch gesehen ein Einzelgänger, der in der modernen Malerei eine wichtige Rolle spielt.“

Konrad Klapheck, Die Küche I, 1997, Musée d'Art moderne et contemporain de Strasbourg
Konrad Klapheck, Der Chef, 1965, Kunstpalast, Düsseldorf
Konrad Klapheck, À la Grande Chaumière, 2006, Galerie Haas, Basel
Konrad Klapheck, Looking Ahead, 2015, Collectie Galerie Lelong, Parijs/New York

Schreibmaschinen, Duschköpfe oder Schuhe

In seinen großformatigen Stillleben mit stark stilisierten Geräten und industriellen Objekten stellt Klapheck Ikonen und Dämonen der modernen Zeit dar. Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Bügeleisen, Duschen oder Schuhe transformiert er zu menschlichen Archetypen. Und mit seinen ironisierenden, suggestiven Titeln verstärkt der Künstler die psychologische oder sexuelle Bedeutung seiner äußert präzise gemalten Sujets.

Konrad Klapheck, Die stolzen Frauen, 1961, Roberts, Torquay, GB

Maschinen wie menschliche Figuren

Klaphecks Malerei wirkt verfremdend und „klassisch” zugleich, und so wird er denn als Avantgardekünstler, Nachfolger der Neuen Sachlichkeit, später Surrealist oder aber auch als Vorläufer der Pop-Art gesehen. Die Kunstkritik verortete ihn im Lauf der Zeit immer wieder anders. Dabei lässt sich Klaphecks einzigartiges Œuvre kaum in eine Strömung einordnen. Nicht zuletzt deshalb, weil er sich nach vier Jahrzehnten „Maschinen-Stillleben” in einer scheinbar abrupten Zäsur der menschlichen Figur zuwandte – ein später Stilwechsel, den nur wenige Künstler wagen und der nur selten gelingt. Bei Klapheck schon. In seinem Spätwerk könnte man von einer Umkehrung seines ursprünglichen Themas sprechen: Männer und Frauen erscheinen als fast abstrakte, blockartige und mechanische Körper. Totemfiguren in einer paradoxen, strengen Welt voller Farben.

Dieser Spätstil, der zunächst einmal etwas Wertvolles und Notwendiges für den Künstler persönlich darstellte, gibt Aufschluss über die Grundlagen seines gesamten Schaffens. Und deshalb zeigt die Ausstellung die Werke auch in umgekehrter Chronologie.

Konrad Klapheck, Loverman, 2009, Galerie Lelong, Parijs/New York

Seine frühen Jahre

Klapheck wurde in seiner Jugend in Düsseldorf von dem künstlerischen und akademischen Milieu geformt, in dem er aufwuchs. Seine Eltern waren renommierte Kunsthistoriker und Publizisten. Beide hatten einen Lehrstuhl an der Düsseldorfer Kunstakademie inne. Auch ihr Sohn war dort – als wäre es vorbestimmt – ab 1979 Professor. Vor allem seine Mutter (sein Vater verstarb früh) war von großem Einfluss auf Konrad Klapheck.

Die zahlreichen Kunstbücher und die Besuche von Künstlern in der Villa Klapheck, darunter Paul Klee und Max Ernst, brachten ihn unmittelbar in Berührung mit der Kunst und führenden Kulturschaffenden.

Jazz als Inspiration

Seit den 50er-Jahren besuchte er Jazzkonzerte internationaler Musiker, die nun wieder nach Deutschland kamen. Als Musikkritiker verschiedener Zeitungen rezensierte Klapheck Auftritte von Weltstars wie Louis Armstrong, Count Basie, John Coltrane und Thelonious Monk. Der Nachhall dieser Konzerte sollte jedoch erst viel später in seinen Bildern anklingen. Er besann sich auf frühere Themen, Instrumente und Menschen, und so wurden die reiferen Werke zu einem Triumph der Erinnerung.

Über die Ausstellung

Die Schau „Venus Ex Machina“ mit etwa 60 Werken umfasst Klaphecks Schaffen aus sechs Jahrzehnten. Zu sehen im Museum MORE in Gorssel vom 5. Juni bis 26. September 2021.

Veröffentlichung

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog. Autoren: Alex de Vries und Ype Koopmans. Zweisprachig: Englisch/Niederländisch. Waanders Uitgevers. ISBN 9789462623439.

Konrad Klapheck, Le Dogmatiste, Der Dogmatiker, 2016, Galerie Lelong, Parijs-New York